Herzlich Willkommen bei uns!



Gottesdienst am Sonntag um 11:00 Uhr 


Liebe Gemeinde,
sehr geehrte Damen und Herren,

da uns Ihre Gesundheit sehr am Herzen liegt, gelten für den Gottesdienstbesuch folgende Regeln: 

  • max. Teilnehmerzahl 50 Personen,
  • Eintragung in einer Teilnehmerliste,
  • bitte Maske tragen, 
  • Abstand von 1,5 Metern einhalten,
  • Derzeit leider ohne Abendmahl und Gesang.


Bleiben Sie gesund und wohl behütet unter Gottes Segen!

Ihre Evangelische Nazareth-Kirchengemeinde



Wochenspruch zum 14. Sonntag nach Trinitatis

"Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ Ps 103,2 

Liebe Gemeinde, 

meine Mutter überlegt sich seit einer Weile jeden Abend drei Dinge, die an dem betreffenden Tag „schön waren“. Ich weiß nicht, wie sie darauf gekommen ist, aber probiere es selbst aus: an einem ereignisarmen Dienstag, an dem sich die Suche nach freudigen Highlights eher schwierig gestaltet. Da vom morgendlichen Zähneputzen bis zur Tagesschau wenig Überraschendes passiert ist, fallen mir genau genommen nur Sachen ein, bei denen ich denke: Ich sollte sie schön finden. Und dankbar dafür sein, weil sie nicht selbstverständlich sind (obwohl sie sich so anfühlen). 

Sowas wie: Es ist schön, dass ich genug zu essen habe (erstens). Es ist schön, dass ich meine Miete bezahlen kann (zweitens). Überhaupt, dass ich eine bezahlbare Wohnung habe, und das, drittens, in Berlin! Sind schon drei Dinge. Und es läppert sich: Es gibt Menschen, die mich mögen und die mir zuhören. Auch das ist, viertens, sehr schön. Und wenn ich dann, fünftens, noch in den spätsommerlichen See springen konnte - wie kann es mir dann abends schwer fallen, mindestens drei Hände voll schöne Sachen aufzuzählen? Von denen ich nicht nur weiß, dass sie ein großes Geschenk sind, sondern die sich auch so anfühlen

Meine Erkenntnis beim Selbstversuch in Dankbarkeit (den diese abendliche Übung ja darstellt): Ich platze nicht gerade vor Glück über die alltäglichen guten Sachen, die es in meinem Leben gibt - genug zu essen, ein Dach über dem Kopf und liebe Menschen. Viel lieber lasse ich mir die Stimmung davon verderben, was ich nicht habe, was ich nicht kann, wie ich nicht bin und was nicht funktioniert. Damit sind meine Gefühle im Alltag viel intensiver beschäftigt als mit dem, „was schön ist“. Frei nach dem Wochenspruch: Sei unzufrieden, meine Seele, und vergiss nicht, was deinen Ansprüchen heute nicht gerecht geworden ist! 

Was ist so schwer daran, dankbar zu sein? „Also ich mag manchmal nicht, dass man Gott für alles danken soll. Wie in diesem Lied, das heißt Danke, und da bedankt man sich für alles: für die Freunde, für die Arbeitsstelle, für den Tag, für die Sonne, für alles. Das find ich bescheuert, denn ICH kann was für meine Freunde, und nicht irgendjemand da oben, der das irgendwie für mich macht oder so.“ Dieses Zitat einer Neuntklässlerin, ich habe sie für eine wissenschaftliche Arbeit interviewt und nenne sie hier Paula, bringt vielleicht auf den Punkt, was an manchen Dankes-Übungen so schwierig ist: Ich lagere die Verantwortung für das Gute, was mir widerfährt, aus. Dabei habe ich vielleicht hart dafür gearbeitet, dass mein Alltag läuft! 

Wenn ich das Gute, das ich erlebe, als mein Verdienst wahrnehme, dann wird es eher schwierig, es als Geschenk zu empfinden. Schließlich ist es nur fair, wenn mein Einsatz belohnt wird. Im Gegenzug bin ich enttäuscht, wenn meine Mühen nicht belohnt werden. Und ist das nicht auch gut so? Unzufriedenheit mit dem Ist-Zustand ist schließlich die Grundlage von Fortschritt und Verbesserung! Darüber hinaus hat Dankbarkeit viel mit Verhaltensnormen zu tun. Kaum das Geschenk in Händen, heißt es für Kinder: „Sag danke!“ Der Reflex der Dankbarkeit wird erwartet, bevor das Gefühl - das sich bei der aufrichtigen Freude über ein gelungenes Geschenk entwickelt  - überhaupt einsetzen kann. 

Sie hat ihre Schwachstellen, die Dankbarkeit. Trotzdem: Sie als Gefühl in meinen Alltag zu integrieren, wenigstens zu gleichen Anteilen wie die Unzufriedenheit, finde ich eine inspirierende Vorstellung. Drei schöne Dinge, jeden Tag. Sagte, wie ich schließlich herausfinde, nicht nur meine Mutter, sondern - mit einem stärkeren Akzent auf der Dankbarkeit - auch Dorothee Sölle, die eine ebenso politische wie poetische Theologin war. Sie beschrieb es als „geistliche Übung“ und Quelle der Freude, jeden Tag drei Dinge zu finden, für die man Gott dankt. So kann man Dankbarkeit auch verstehen. Nicht als artigen Reflex - sondern als Hingabe. Als Kontrollverlust, den man sich gönnt: Es hängt nicht alles an mir! Um dann mal zu schauen, was diese Perspektive mit mir macht... Wenn Sie mal einen Perspektiv-Wechsel brauchen: Probieren Sie es aus! 

Sehr herzlich, 

Ihre Pfarrerin Eva Finkenstein 





Kurzportrait unserer neuen Pfarrerin 

Eva Finkenstein

Liebe Nazarethgemeinde,

alles neu macht der Mai! Für mich in diesem Jahr tatsächlich: Ab dem 16. Mai werde ich bei Ihnen  als Pfarrerin mit 50% im Entsendungsdienst arbeiten. 

Im Moment lebe ich noch in Leipzig, freue mich aber sehr, bald nach Berlin zu ziehen. Franz von Suppés Aufforderung „Du bist verrückt mein Kind, du musst nach Berlin!“ trifft mich gewissermaßen ins Herz. Und so wird dieses zwar auch etwas schwer beim Gedanken, das gemütliche Leipzig zu verlassen - doch zugleich von Vorfreude auf den quicklebendigen Kiez rund um den Leo und die neue Arbeit bei Ihnen erfüllt!

Eine tabula rasa ist Berlin für mich nicht. Aufgewachsen in einem Mecklenburger Pfarrhaus, bin ich von dort zum Theologiestudium nach Leipzig, Montpellier und anschließend nach Berlin gezogen. Und wie es der Zufall will, habe ich bereits als Studentin hier im Wedding gelebt - und das ausgesprochen gern!

Nach dem Studium hat mich mein Weg zunächst nach Kopenhagen und Lübeck geführt. Dort habe ich als Gemeindepraktikantin dem Wunsch, Pfarrerin zu werden, nachgespürt und ihm - nach einem kleinen Abstecher ins Designmöbelmarketing - schließlich nachgegeben, was mich ins Vikariat nach Dresden führte.

Meiner Liebe zu Seitenwegen bin ich aber treu geblieben: Statt direkt dem Pfarramt, habe ich mich nach dem Vikariat erstmal der Wissenschaft verschrieben. Seit zwei Jahren widme ich mich in Leipzig und Halle meiner Promotion, die restliche Arbeit daran bringe ich nun mit nach Berlin. Sollten Sie sich also fragen, wo ich bin, wenn Sie mich nicht in der Gemeinde finden: bestenfalls zuhause am Schreibtisch oder in der Bibliothek! Ansonsten vielleicht auf dem Fahrrad, am Klavier oder mit Freund*innen unterwegs in der kulturellen Vielfalt Berlins, die mich - normalerweise - regelmäßig begeistert.

An der Arbeit als Pfarrerin begeistert mich die Vielfalt der Möglichkeiten, miteinander Räume zu entdecken, zu öffnen und zu gestalten: im Gespräch, bei der Bewältigung von Lebenssituationen, bei der Sorge füreinander und für unsere Nächsten. Ich wünsche mir, dass Menschen bei uns auf offene Türen stoßen! 

Und ich wünsche mir mit Ihnen eine Gemeinschaft, die Geborgenheit und Innehalten genauso ermöglicht wie Aufbrüche und Diskussion. Auf unsere Begegnung und ein Kennenlernen freue ich mich sehr!

Bis dahin kommen Sie gut durch diese ungewöhnliche Zeit und bleiben Sie behütet.

Sehr herzlich, Ihre Eva Finkenstein